MEET THE ALUMNI:
Samuel Röösli
Was machen eigentlich unsere ehemaligen Studierenden?
Von der Arbeit erzählt: Samuel Röösli – Kameramann / Beleuchter (Abschluss 2022)
Samuel, du arbeitest als Kameraperson und im Bereich Licht, was magst du besonders an deiner Arbeit?
Es gibt viele Aspekte, die mir an meiner Arbeit als Kameraperson gefallen. Einer davon ist, dass ich mich intensiv mit den Themen und den Protagonist*innen eines Films auseinandersetzen kann. Es fasziniert mich sehr, tiefere Einblicke in das Leben und die Welt anderer Menschen zu gewinnen.
Da ich vor allem im dokumentarischen Bereich tätig bin, arbeite ich oft in kleinen Teams – meist nur mit der Regie zusammen. Eine solche enge Zusammenarbeit ermöglicht es, sich gemeinsam in die Thematik zu vertiefen und ständig über den Film, den wir gerade machen, zu diskutieren. Wohin könnte sich die Geschichte entwickeln? Welche Bildsprache wollen wir erschaffen? Diese Gespräche und Diskussionen finde ich unglaublich bereichernd – Ich könnte sie stundenlang führen.
Die Arbeit mit Licht finde ich sehr spannend: Es geht nicht nur darum, eine Stimmung zu erschaffen, die glaubhaft oder realitätsnah wirkt. Gutes Lichtdesign muss auch die Erzählung eines Filmes unterstützen, Emotionen vermitteln und Stimmungen gekonnt einfangen. Um dies zu erreichten, ist eine sehr enge Zusammenarbeit mit der Kameraperson des Projektes nötig. Durch diesen Austausch habe ich viel von unterschiedlichen Kamerapersonen gelernt, was ich für meine eigenen Projekte mitnehmen konnte.

Du hast im Jahr 2022 dein Studium abgeschlossen. Wie ging es bei dir nach dem Abschluss weiter?
Am Studium an der HSLU habe ich die Infrastruktur, die technische Ausstattung und das kreative Umfeld, in dem sich alles um das Filmemachen drehte, geschätzt. Nach dem Abschluss fiel dieses unterstützende Umfeld plötzlich weg, was für mich anfangs überfordernd war.
Trotz Überforderung startete ich aber direkt als Lichtperson auf verschiedenen Sets. So konnte ich viele Menschen aus der Branche kennenlernen und mir auch ausserhalb der HSLU schnell ein Netzwerk aufbauen. Gleichzeitig war es mir wichtig, nach dem Studium als Kameraperson weiterzumachen und neue Projekte zu finden. Dabei ist es sehr wichtig, dass das Projekt zu mir passt und ich, mit meinen Skills, zum Projekt passe. Seit meinem Studiums-Abschluss habe ich gelernt, dass ich auch Geduld brauche, bis ein passendes Projekt auf mich zu kommt.
Eine gute Zusammenarbeit mit der Regieperson und das gegenseitige Vertrauen ist mir sehr wichtig. Denn nur so kann ich wirklich gut arbeiten und bin so auch ein Mehrwert für den Film.

Als erstes Projekt nach dem Studium konnte ich gemeinsam mit meinem Kommilitonen Balz Auf der Maur sowie Simon Weber und Luzius Wespe die Kameraarbeit für den Dokumentarfilm BADI von Romana Lanfranconi übernehmen. Das Projekt war inhaltlich wie gestalterisch spannend. Ich habe viel gelernt – vor allem war es für mich wertvoll, direkt nach dem Studium an einem Film mitwirken zu können.
Während des letzten Studienjahres entwickelte ich zudem die Idee für ein eigenes Filmprojekt, an dem ich inzwischen so viel wie möglich arbeite.
Um was geht es in deinem eigenen Filmprojekt? Und an was für anderen Projekten arbeitest du im Moment sonst noch?
Derzeit arbeite ich an drei Projekten, die alle sehr unterschiedlich sind, was ich besonders spannend finde.
Für mein eigenes Filmprojekt arbeite ich ausschliesslich mit Archivmaterial. Das bedeutet, dass ich hauptsächlich allein am Computer arbeite und mich intensiv mit der Recherche und der Verarbeitung des Bildmaterials beschäftige. Bei diesem Projekt arbeite ich mit Aufnahmen von Überwachungskameras und möchte mich so dem System der Überwachung nähern und herausfinden, wie wir als Gesellschaft mit diesem System als Ganzes und auch mit den Überwachungsbildern an sich umgehen können.
Für den langen Dokumentarfilm „HOME IS WHERE HELAGA IS» (AT) von Kim Gabbi mache ich die Kamera. Hier drehen wir als kleines Team, nur Kim und ich.
Das ermöglicht uns eine enge und fokussierte Zusammenarbeit. Wir können uns viel Zeit nehmen, um das bereits gefilmte Bildmaterial zusammen anzuschauen und dabei zu besprechen, was funktioniert und was nicht.


Mitte März habe ich für den Dokumentarfilm «AMINA» (AT) von Liam Erlach die Kamera gemacht. Wir drehten eine essayistische Ebene im Studio – auf 16mm-Film und teilweise vor einer LED-Wand. Beides war für mich eine Premiere: sowohl das Arbeiten mit analogem Film als auch der Einsatz einer LED-Wand. Eine besondere Herausforderung war die Kombination von Film und LED-Wand, da es dazu kaum Erfahrungswerte gibt. Es existiert kein etablierter Workflow, weshalb wir viel experimentieren mussten, um Lösungen zu finden. Manche Produktionen haben zur Kalibrierung der LED-Wand mehrere Kilometer Film belichtet – das war für uns keine Option. Daher war die Vorbereitungsphase stark von technischen Tests geprägt. Wir mussten herausfinden, wie sich Probleme am besten lösen lassen, und investierten viel Zeit in diesen Prozess. Uns war jedoch wichtig, dass trotz den technischen Herausforderungen genug Raum für die kreative Arbeit bleibt. Deshalb begannen wir früh mit den Tests und entschieden vor dem Dreh, dass nicht alles technisch perfekt sein muss – zugunsten der inhaltlichen Gestaltung.

Der Dreh selbst war intensiv, aber auch bereichernd. Ich hatte eine fantastische Crew, die viele Probleme eigenständig löste, sodass ich mich voll auf die kreative Arbeit konzentrieren konnte – ein unglaublich wertvolles Erlebnis. Eine besondere Herausforderung nach dem Dreh war das Warten auf die Scans. Während des Drehs konnte nur ich durch den Sucher sehen – alle anderen hatten lediglich eine schlechte Vorschau. Erst die Scans machen sichtbar, wie das Bild genau ausschaut und ob die Belichtung wie gewünscht funktioniert. Das machte mich entsprechend nervös. Es war schwer das Projekt wirklich abzuschliessen, bevor die Scans aus dem Labor zurückkamen. In der Zwischenzeit gingen mir viele Dinge durch den Kopf – was alles schiefgelaufen sein könnte, ob sich Fehler eingeschlichen hatten, die erst später sichtbar würden… Als die Scans schliesslich eintrafen, war es eine Erleichterung, das Material endlich richtig sehen zu können. Trotz aller Unsicherheiten zeigte sich, dass viele unserer Entscheidungen funktioniert hatten. Es war ein spannender Prozess, der mir einmal mehr bewusst gemacht hat, wie sehr analoges Arbeiten auch mit Geduld und Vertrauen in die Crew und den eigenen Blick verbunden ist.
Gibt es etwas, was du den angehenden Filmemacher*innen auf den Weg geben möchtest?
Ich finde es schwierig, einen konkreten Ratschlag zu geben, der allen hilfreich sein kann. Von Menschen mit mehr Erfahrung in der Branche erhalte ich selbst oft Ratschläge, die zwar gut gemeint, aber nicht unbedingt relevant für meine Arbeit sind. Deshalb möchte ich lieber etwas Allgemeineres sagen – auch wenn es vielleicht simpel klingt:
Wenn ich sehe, was meine ehemaligen Mitstudierenden heute machen, fällt mir auf, dass alle nach dem Studium ihren ganz eigenen Weg gehen. Den eigenen Weg zu finden, ist zwar etwas Wunderschönes, aber auch herausfordernd und manchmal etwas scary. Es lohnt sich jedoch, diesen Weg zu suchen und sich darauf einzulassen. Es gibt kein richtig und kein falsch – Es gibt nur ein richtig für dich.
