Meet the Students:

Moritz Stuker

Was machen unsere Studierenden?
Einen Einblick in den Studienalltag von:
Moritz Stuker, 2. BA (2024/25)

Moritz, Kannst du kurz beschreiben, warum du Film studierst im Bachelor Video an der HSLU?

Ich hatte meinen ersten Kontakt mit dem Filmemachen durch meine Maturaarbeit am Gymnasium. Dort wurde mir bewusst, wie viel hinter einem Film steckt, was man dabei lernen kann und mit wem man alles in Kontakt kommt. Ich finde es ein grosses Privileg, als Filmemacher Einblicke in den Alltag und das Leben anderer Menschen zu erhalten. Diese Möglichkeit ist keineswegs selbstverständlich. Als Filmschaffender hat man aber eine besondere Stellung, die genau solche Einblicke ermöglichen kann. Das finde ich nicht nur etwas sehr Spannendes, sondern auch etwas sehr Wertvolles.

Für mich als vielseitig interessierte Person ist das Filmstudium eine ausgezeichnete Wahl. Es vereint auf einzigartige Weise Gesellschaft, Kunst und Technik. Im Studiengang Video an der HSLU erhält man wertvolle Einblicke in die verschiedenen Bereiche des Films – von Regie über Kamera, Ton bis zur Montage. So hat man die Möglichkeit, herauszufinden, welcher Aspekt des Filmemachens einem besonders liegt und welche Funktion man schliesslich vertiefen möchte.

Welches Modul fandest du bisher am Spannendsten?

Das kann ich nicht so leicht beantworten. Ich denke, dass gerade der breite Mix an Modulen den Studiengang so attraktiv macht. Zum einen gibt es Theoriewochen zu Filmgeschichte, zum anderen praktische und filmspezifische Inputs oder gar interdisziplinäre Module mit anderen Studienrichtungen der Hochschule Design Film Kunst.

Persönlich mag ich die Theorie-Module bei Johannes Binotto sehr. Ich denke gerade im Film ist es sehr wichtig, theoretisches Wissen sowie praktische Erfahrungen zu sammeln. Mir gefällt das Theorie-Praxis Verhältnis des Bachelor Video, was schlussendlich für meine Projekte fördernd und inspirierend ist.

Film-Still aus CALL IT A DAY

Soeben habt ihr in der Klasse eure Zweitjahresfilme präsentiert. Worum geht es in deinem Projekt?

Mein Zweitjahresfilm CALL IT A DAY beschäftigt sich mit Menschen, die nachts arbeiten. Der Film ist eine Reise durch verschiedene nächtliche Orte, an denen man auf unterschiedliche Personen und Geschichten stösst. Dabei war es mir besonders wichtig, die Sichtbarkeit derjenigen zu fördern, die nachts arbeiten – Menschen, von deren Tätigkeit man oft nichts mitbekommt, obwohl sie wichtige Rollen in der Gesellschaft spielen. Mit meinem Film habe ich versucht, eine Verbindung zwischen den Menschen zu schaffen, die nicht einfach um 17.00 Uhr sagen können: „Let’s call it a day“ («Machen wir Feierabend»).

Kannst du uns Mehr zum Prozess der Zweitjahresfilme erzählen?

Der Zweitjahresfilm ist der grösste Teil des zweiten Bachelorjahres. Während mehr als fünf Monaten haben wir uns mit diesem Film beschäftigt und wurden mit verschiedenen Modulen durch den Prozess des Zweitjahresfilms geführt.

Angefangen hat der Zweitjahresfilm-Prozess mit dem Ideenfindungskurs auf der Rigi. Gemeinsam mit den anderen Studierenden des 2.BA verbrachten wir drei Tage in einem Ferienhaus, in denen wir verschiedene Recherchetechniken und Methoden zur Ideenfindung kennenlernten. Diese Tage waren nicht nur inhaltlich bereichernd, sondern auch wichtig für den Zusammenhalt der Klasse.

Exkursion auf die Rigi zur Ideenfindung für die Zweitjahresfilme

Nach den drei Tagen auf der Rigi begann die Recherchephase. Ziel war es, sich breit mit dem ausgesuchten Thema auseinanderzusetzen. Für meine Recherche zog ich nachts durch die Strassen von Bern und beobachtete, in welchen Fenstern Licht brannte und wo sich Menschen aufhielten. Diese nächtlichen Erkundungstouren gaben mir neue Perspektiven und Eindrücke, die später in meinen Film einflossen.

Nach der Recherche folgte das Modul „Filmisches Gespräch“, in dem wir gemeinsam mit Martina Rieder verschiedene Filmbeispiele analysierten, um herauszufinden, wie ein Interview oder Gespräch im Film strukturiert und umgesetzt werden kann. In einer praktischen Übung übertrugen wir diese Erkenntnisse auf unsere eigenen Projekte.

Die darauffolgende Testdrehphase war für mich besonders wichtig. Im Vorfeld des Drehs habe ich alle Drehorte besucht und aktiv versucht, eine Beziehung zu den Protagonist: innen aufzubauen und ihr Vertrauen zu gewinnen. So hatte ich zum Beispiel eine zweistündige Führung durch die Kehrichtverbrennungsanlage, bei der mir sämtliche Details zum Aufbau und zur Funktionsweise der Anlage erklärt wurden – obwohl ich bereits wusste, dass nur wenige Einstellungen dort aufgenommen werden würden und es mir nicht primär um den Betrieb ging. Ich denke, solche Momente sind wichtig, da sie eine solide Grundlage für den Dreh schaffen und letztlich auch dem Film zugutekommen. Sie tragen dazu bei, ein Verständnis für eine Umgebung und die Menschen zu entwickeln, was sich schliesslich positiv auf die Atmosphäre und die Authentizität des Films auswirkt. Und auch für den Dreh tat es gut: Die Protagonist:innen hatten bereits Vertrauen gewonnen und sind problemlos mit der Präsenz einer Kamera umgegangen.

Nicolas und Alex beim Dreh von CALL IT A DAY

Die Drehphase im Januar war äusserst intensiv. In einem Dreier-Team, drei Filme innerhalb von fünf Wochen zu drehen ist anspruchsvoll. Zudem drehten wir für meinen Film nur in der Nacht, was im Januar mit der Kälte nicht unbedingt praktisch war. Es hat trotzdem Spass gemacht und es war auch sehr toll, bei zwei weiteren Projekten involviert zu sein. So hatte man Einblick in andere Filme und Arbeitsarten und konnte sich stets gegenseitig austauschen und inspirieren.

Nach einer kurzen Pause begann der sechs Wochen lange Montageprozess. Diese Zeit verbrachte ich hauptsächlich in den Schnitträumen der Schule, wo der Film nach und nach Gestalt annahm. Gegen Ende des Montageprozesses fand ein Rohschnittscreening im Kino der Schule statt. Dies war ein entscheidender Moment im gesamten Prozess, da wir zum ersten Mal die Möglichkeit hatten, unseren Film auf einer grossen Leinwand vor einem Publikum zu präsentieren und wertvolles, letztes Feedback erhielten.

Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit, mit dem Filmmusik-Studierenden David Bock der ZHdK zusammenzuarbeiten. Es war eine tolle Erfahrung, mit einer externen Person an einem Film zu arbeiten. Der Austausch und die Zusammenarbeit bei der Musikgestaltung erweiterten meinen kreativen Prozess und fügten dem Film eine zusätzliche Dimension hinzu.

Im Schnittraum von Moritz
Nach den Präsentationen wird in der Klasse über die Filme diskutiert.

Nun haben wir die Filme fertiggestellt und der Klasse und den Dozierenden präsentiert. Wir haben nun die Gelegenheit, die Filme an Festivals einreichen. Ich denke, dass das eine schöne Möglichkeit ist, den Film nach der langen Entwicklungszeit angemessen abzuschliessen und hoffentlich einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Film-Still aus CALL IT A DAY

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